Liebt eure Feinde

… fordert Jesus in der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium. Er sagt nicht: „Seid lammfromm und lasst euch alles gefallen“, sondern er stellt erst einmal fest, dass wir Feinde haben.

Das habe ich in einer Predigt von Dorothee Sölle gelernt. Wie keine andere konnte die scharfzüngige und tiefgründige Theologin ihre geballte Wut über das Unrecht dieser Welt in wunderbar lebendige Worte fassen und klar benennen, wer ihre Feinde sind. Wäre sie nicht gewesen, wer weiß, mit wem unsere evangelische Kirche schon alles ihren Frieden geschlossen hätte.

Nun war die Kölnerin Dorothee Sölle keine typische Rheinländerin. Dem Rheinländer an sich ist Wut nämlich wesensfremd. Er hält sich an die Kölschen Gebote „Et kütt wie et kütt“ und „Jede Jeck es anders“. Da wird aus vermeintlicher Toleranz schnell Gleichgültigkeit. Oder wie es ein wesensnaher Artverwandter aus dem schönen Hessen formulieren würde: „Bevor isch misch uffreesch, isses mer liewer egal.“

Nun trifft diese zugegeben nicht ganz bierernst oder besser kölsch-ernst gemeinte Verallgemeinerung des Rheinländers nicht auf alle zu. Gerade viele junge Menschen bei uns, sind alles andere als gleichgültig. Wenn sie die Welt zum Besseren verändern wollen, müssen sie auch gegen was und gegen wen sein.

Wir haben Feinde, und wir haben Wut. Eine Wut aber kann uns dazu bewegen, uns aus dem Sessel unserer Bequemlichkeit zu erheben. Aus Wut kann ein Weg werden. Das Ziel dieses Weges sollten die Feinde sein. Sich ihnen zu stellen, ihnen in die Augen zu schauen, sie verstehen zu wollen und mit ihnen um das Leben zu streiten – das alles liegt in den Worten der Bergpredigt. Machen wir uns auf, verändern wir unsere Welt. Alle Veränderung zum Guten und zum Leben geschieht durch die Liebe. Darum füge Gott, dass die Hitze unserer Wut von dem Feuer seiner Liebe komme. Liebt eure Feinde!

Pfarrer Jürgen Dreyer

Evangelische Kirchengemeinde Leverkusen-Schlebusch, Martin-Luther-Straße 4, 51375 Leverkusen, Pfarrbüro Tel. 0214 357699-99