Amanda und Jesaja

An Weihnachten wurden jene alten Worte Jesajas der corona-bedingt kleinen christlichen Schar prophezeit – wie jedes Jahr:

„Das Volk, das im Finsteren wandelt, sieht ein großes Licht.“ – Wer hat es gehört?

Und dass Jesus sagte: „Ich bin das Licht der Welt“ – Wer glaubt das noch?

Und dass er sagte: „Ihr seid das Licht der Welt!“ – Wer hört es noch und richtet sich auf?

Ich dachte, es wären Worte – vor langer Zeit gesprochen und in halbleeren Kirchen gepredigt – , die vielleicht an Kraft verloren haben.

Doch dann tritt gestern eine junge Amerikanerin in Washington vor dem Kapitol an die Mikrofone und spricht zu der Welt von dem Suchen nach Licht im niemals endenden Schatten. Sie spricht von Verletzungen und Gerechtigkeit. Sie sagt: Wir schauen auf! Wir schauen auf das, was vor uns liegt und nicht auf das, was uns trennt. Es ist immer Licht da. Wenn wir doch nur mutig genug sind, es zu sehen. Wenn wir doch nur mutig genug sind, es zu sein.

Alte Worte, dachte ich noch an Weihnachten, verblasst im Licht der vielen dunklen Jahrhunderte.

Dann spricht die 22-jährige Dichterin Amanda Gorman zur Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten und aus ihrem Mund, in ihrer Gestik, in ihrem Glauben werden es Worte der Zukunft.

Ich staune und spüre, dass ich mitten in jenem Fluss des Lebens stehe, in dem Amanda Gorman sich selbst und ihr Volk hineinstellt.

Wir stehen als Christen mitten in jenem Strom des Lebens, in den uns Jesus hineinrief – an jedem Tag, an dem wir beten und hören, lieben und hoffen, vertrauen und handeln. Wir schauen auf zu seinem Licht, und wir werden mutig genug, um Licht für die Welt zu sein.

Schlebusch, am 21. Januar
Pfarrer Jürgen Dreyer

P.S. Zu jenem besonderen Gedicht der jungen Amerikanerin und zu einer anderen jungen Frau, der in der Bibel ein ganzes Buch gewidmet ist, möchte ich nächsten Sonntag im Gottesdienst mehr sagen.

Sie sind herzlich eingeladen, jetzt am Sonntag, dem 24.012021, um 09.30 Uhr, in der Friedenskirche mit Ariane Herrmanns an der Trompete, Lena Jedig an der Orgel und mit viel Abstand. Wir schützen einander und achten darauf, dem Virus keine Chance zu geben.

Amanda Gormans Rede im Wortlaut

als Text

und als Video

Evangelische Kirchengemeinde Leverkusen-Schlebusch, Martin-Luther-Straße 4, 51375 Leverkusen, Pfarrbüro Tel. 0214 357699-99